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unter Primitiven - Leseproben
 
   


Leben und Tod
Zurück zu meinem Garten, einem schönen, großen Garten mit einem schönen, großen Haus. Eine große, lange Rabatte, die gepflegt werden will. Ich reiße "Un"-Kräuter aus, beschneide den Weißdorn, der alles unterkriegt, steche mir in den Lederhandschuh, wundere mich, dass die Dornen da durchkommen. Vor einiger Zeit habe ich Dahlien in die Erde getan und seit Tagen wache ich schon darüber, ob sie aus der Erde kommen und ob sie von den Schnecken abgefressen werden. Ich habe, obwohl ich das eigentlich nicht möchte, Schneckenkorn gestreut, damit die jungen Triebe nicht sofort abgefressen werden, weil meine Mutter gesagt hat, dass die Dahlien nicht mehr kommen, wenn die Triebe von den Schnecken abgefressen sind. Die wollen dann einfach nicht mehr. Und jetzt habe ich die Schnecken beobachtet, wie sie krepieren, braune, schwarze, dicke und dünne, mit einer Schleimspur, obwohl auf der Packung steht, dass dieses Mittel die Schnecken ohne lästige Schleimspur beseitigt. Manchmal sind sie regelrecht zerplatzt, d. h. es ist nur noch Schleim übriggeblieben, von der Schnecke war nichts mehr zu sehen. Und ich frage mich, ob das eigentlich so richtig ist, und ich frage mich auch, was in der Schnecke so vorgehen mag.


Gott und die Welt
Gerne leitet der Mensch seine relativ bevorzugte Position von den Göttern ab. Der Mensch als Gott. Diese mystische Verquickung zwischen Irdischem und Außerirdischem findet sich bis in unsere Tage. Wer kann die bewegenden Bilder auf dem Petersdom vergessen, bei der die Menge Abschied von Papst Johannes Paul II genommen hat und die Begeisterung bei der Inthronisation von Papst Benedikt XVI? Das sind die Momente, in denen bei uns Geschichte lebendig wird. Und es ist der große Aufmarsch der Insignien, die seit eh und je auf die Menschheit besonderen Eindruck gemacht haben: ein Thron, ein Stab, ein Hut, ein besonderes Gewand, dazu Würdenträger, ein großer Teppich, ein großer Platz, Menschenmengen, sorgsam abgezirkelte Areale zwischen "denen da oben" und "denen da unten", den Zuschauern, dem gemeinen Volk, das sich freut, weint, klatscht, mit seinen kleinen Bedürfnissen beschäftigt ist, die Cola-Dose leert, sich Gedanken über die nächstliegende Toilette macht. Man hat das gute Gefühl, eine wirkliche Gemeinschaft zu sein, dazu zu gehören, nicht alleine zu sein.


Kommunikation
Geradezu rührend dagegen die ersten Schriftzeichen, abgeleitet aus Vorbildern in der Natur. Vogel steht für Vogel und damit stellvertretend für die Eigenschaften und Tugenden von Vögeln, Schlange für Schlange und die Eigenschaften und Tugenden von Schlangen. Gefäß für Gefäß. Volles Gefäß für Überfluss, leeres Gefäß für, na? Missernte. Sie werden es erraten haben. Jagdszenen, Menschen, Leoparden, Speere, übermächtige Phantasiewesen, Götter. Ja, vor allem Götter stehen für assoziierte Tugenden und Primäreigenschaften wie Mut, Naturgewalt, Größe, Macht, Weisheit, Fortpflanzung – und das Jenseits. Zunehmende Abstraktion und Komplexität hat zu erweiterten narrativen Strukturen geführt, d. h. es wurden differenziertere Sachverhalte vermittelt, Geschichten erzählt, Vorgänge, Geschehnisse dokumentiert, Zusammenhänge verdeutlicht, über die Götterwelt berichtet. Dies war an die Fertigkeit gekoppelt, die Zeichen zu verstehen und sie richtig zu deuten. Unkundigen war der Zugang verschlossen.


Kultur ist...
Heute ist Mittwoch, der 06.07.05, der 70. Geburtstag des Dalai Lama.
Erst jüngst habe ich eine ausführliche Reportage im Fernsehen gesehen und heute sind die Zeitungen voll. Damit wir uns nicht missverstehen, ich habe äußersten Respekt vor Dalai Lama und finde, dass er eine Menge für sein Volk tut. Nur: Da sind einige entscheidende Problempunkte. Zur Frage nach der Überlebenschance der Tibeter führt er aus, dass der Buddhismus seinen Ursprung in China gefunden hat, 500 Jahre vor Tibet (oder waren es 5000 Jahre?), dass die Chinesen ein zunehmendes Bedürfnis nach Kultur haben und dass sie sich über kurz oder lang ebenfalls für die Belange des Buddhismus und damit – indirekt – auch für die Tibeter engagieren werden. Meiner Meinung nach ein Trugschluss, da die Chinesen mindestens einen mit den USA vergleichbaren wirtschaftsimperialistischen Hunger haben und zur Deckung ihrer Bedarfslage in erster Linie an der Sicherung ihrer materiellen Ansprüche interessiert sind. Die Tibeter teilen das Schicksal der Indianer und Aborigines. Zum anderen ist fraglich, ob der "Schmusekurs", den der Dalai Lama mit dem Westen praktiziert, mit der reinen Lehre vereinbar ist und nicht auch auf einen Dalai Lama abfärbt, der ja auch nur ein Mensch ist.

am Anfang ist also das Intranet...
Mit dem kleinen Unterschied allerdings zu dem Intranet, das Sie vor Augen haben, tickt dieses biologische Intranet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht digital, sondern analog, weshalb ich jetzt den Begriff "analoges Intranet" verwenden möchte. Außerdem hat es Denk- und Handlungskompetenz. Mit Denk-Kompetenz meine ich, dass Aufgabenstellungen, die nicht durch bestehende Handlungsmuster vorprogrammiert sind, geändert und der jeweiligen, neuen Situation angepasst werden können. Und Handlungskompetenz heißt, dass das Ergebnis des neuronalen Checks unverzüglich umgesetzt werden kann. Das Ergebnis des internen Chats der beteiligten Instanzen hat eine unmittelbare Richtungsentscheidung für den Organismus. Das wäre in etwa so, als wenn man das Thema "Frauenquote" weltweit zeitgleich ins Internet stellt und innerhalb von Sekundenbruchteilen ein abgestimmtes, repräsentatives Ergebnis für die Meinung der Weltbevölkerung hat und dieses konsequent in allen Handlungen berücksichtigt. Können Sie sich so etwas vorstellen? Und dann gibt es da noch einen kleinen Unterschied. Dieser betrifft die Aspekte Rezeption und Apperzeption und das Datenvolumen beziehungsweise das intelligente Vergessen.


Der Truck
Aber jetzt muss ich Ihnen erst von dem Sinalco-Truck erzählen, der heute vor dem Supermarkt stand.
Einer von vielen Supermärkten in Leverkusen: Mehrere Edekas, mindestens ein Kaufpark, Plusse, Lidls, Aldis, die Metro und sicher noch der eine oder andere. Dieser Truck war der Traum von einem Truck, Sinalco-gelb, so ein amerikanischer Highway-Truck, mit verchromten Sidepipes, einem riesigen Grill aus Chrom, einer Bulldogge aus Chrom oben drauf und einem Schild mit dem Namen des Fahrers. Er war unmittelbar vor dem Eingang des Supermarktes platziert mit jeder Menge Sinalco-Kisten davor und Tischen mit Sinalco-Schirmen. An den Seiten des Auflegers historische Motive aus der glorreichen Zeit, in der Sinalco eine populäre Marke im Markt war und eine Rolle gespielt hat. Heute ist Sinalco so gut wie verschwunden. Also man könnte sagen, eine gekonnte Maßnahme, um auf die Marke aufmerksam zu machen. Bedauerlicherweise haben die Leute massenweise Sprudelflaschen und Bier aus dem Getränkemarkt gekarrt und niemand interessierte sich für Sinalco.


Das Leverkusener Kreuz
Ihre Sinne, Herrschaften, sind darauf programmiert, innerhalb von Sekundenbruchteilen Vorteile zu erkennen und Nachteile zu vermeiden. Eine Erkenntnis, die manche Wirtschaftsbosse, Heereslenker, Politiker, Kleriker, Mafiosi auch ohne meine lichtreichen Ausführungen intuitiv erkannt haben.
Letzten Samstag gab es im Kölner Stadtanzeiger, Leverkusener Ausgabe, einen umfangreichen Artikel über den geplanten Ausbau der Müllverbrennungsanlage. Ein vierter Ofen soll her, obwohl die Müllmengen zurückgegangen sind. Der Gewinn allerdings wurde um 35 % gesteigert. Um eine Planungssicherheit insbesondere auch über den Zukauf von Müll zu erhalten, soll eine Eilentscheidung bis September erfolgen. Es gilt, den ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten. Es sollen Vorverträge mit Unternehmen gemacht werden, die Müll nach Leverkusen karren, einer Stadt übrigens, die in Sachen Umweltverträglichkeit nicht gerade die Hitliste anführt, um es behutsam auszudrücken.


Beschiß
Hey Leute, das ist der neue Glaube an den Weihnachtsmann: das Handy für einen Euro oder sogar zum Nulltarif.
Heissa! Oder nicht? Da das ganze System darauf ausgelegt ist, den naiven Tollpatsch wie mich und Dich zu bescheißen, zahlen wir in der Regel drauf. Bescheißen, beschissen werden, das ist der neue Volkssport. Rechtzeitig erkennen, wie man beschissen werden soll und sich vor Beschiss zu schützen, das ist die Herausforderung der Zeit. Wir haben hier in Leverkusen so eine Eisenbahnbrücke über die Wupper, mit einer Fußgängerbrücke direkt unter der Eisenbahnbrücke. Diese ist überdacht. In der Nähe steht ein Schild mit einem Hinweis, dass man sich vor Gegenständen in Acht nehmen soll, die von der Brücke fallen. Sie wissen schon, es gibt Züge mit Plumpsklo. Man hätte auch kürzer schreiben können:
Achtung Scheiße!
Spannen Sie also den Regenschirm auf, besser noch, schützen Sie sich mit einem Overall wie ihn die Feuerwehr bei Chemiekatastrophen trägt. Machen Sie dicht, glauben Sie nichts, lassen Sie erst mal nichts an sich herankommen. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung und wenden Sie sich erst dann wieder ihrer Umwelt zu.


Mußturbation
Das "Müssen" wird uns frühzeitig beigebracht und Sie werden zugeben müssen (merken Sie's? Sie müssen überhaupt nicht!), dass es unser Leben beherrscht, wenn Sie einmal darauf achten. Es beginnt morgens, wenn wir aufstehen müssen, die Zähne putzen müssen, das Frühstück machen, abräumen, den Wagen zur Inspektion bringen, die Kinder zur Schule, den Hund ausführen, den Anzug zur Reinigung, den Chef grüßen, dem Kollegen etwas sagen, den Termin einhalten, die Telefonate erledigen, den Vorgang abschließen, das Passwort ändern, die Ablage erledigen, die Präsentation vorbereiten. Außerdem müssen wir ausgeschlafen, freundlich, aufmerksam, interessiert, gesund, gut aussehend und sportlich sein. Das wird erwartet und daran haben wir uns zu halten, zumindest wenn wir aktiv am Leben teilnehmen wollen. Wir müssen die Parkmünze bereit halten, das nötige Kleingeld haben, den Chip in die Öffnung schieben, ein Stück vorfahren, die Quittung aufheben, das Licht ausmachen, nach rechts und nach links blicken, uns mit dem unangenehmen Knilch unterhalten, weil wir an ihm nicht vorbeikommen, weil es einfach ungeschickt wäre, ihn zu brüskieren, zu übersehen oder gar ihm die Meinung zu sagen. Ellis ersetzt den Begriff "muss" durch "es wäre wünschenswert, dass". Wenn Sie das Experiment einmal mit sich selbst machen und "muss" durch "es wäre wünschenswert, dass" ersetzen, werden Sie eine ganz bemerkenswerte Erfahrung machen: Es ist alles viel lockerer und der Druck wird von Ihnen genommen.


Eine neue Weltsicht
Mit Microsoft werden wir uns noch beschäftigen dürfen (Sie sehen, ich vermeide das Wort "müssen"). Sie erlauben einen kurzen Abstecher zu Google. Es gibt, wenn Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, ein Installations-Programm von ca. 10 Megabyte herunter zu laden und es damit Google erlauben, sich ungehemmt auf Ihrer Festplatte festzusetzen, die Möglichkeit, die Erde aus dem All zu betrachten. Je nachdem, was Sie sich ansehen wollen, können Sie bis auf die kleinsten Details auf diesem Planeten herunterzoomen. Und wenn Sie Glück haben, finden Sie sich selbst und machen fröhlich winke winke. Das ist natürlich wie üblich übertrieben, aber real. Sie können sich auch virtuell am Boden bewegen und in die Falten der Erdkruste fahren oder in die Pyramiden oder in Ihr Schlafzimmer. Nun, letzteres können Sie natürlich nicht, aber der Innenminister, wenn begründeter Verdacht besteht, dass unter Ihrer Decke etwas Verbotenes passiert. Machen wir uns nichts vor: Dieses nette Tool ist ein gnadenloses Instrument des globalen Terrors, da es aus der militärischen Spielzeugkiste stammt und bereits erfolgreich von den Amis gegen militärische und humane Ziele gerichtet wurde. Wie schreibt die Bams so schön naiv, ich zitiere: "Google Earth ist unglaublich beeindruckend – auch wenn der praktische Nutzen für Deutschland noch nicht allzu groß ist.

Besorg`s dir doch einfach
Bei diesem Spielchen des kollektiven Mussturbierens, das unsere Gesellschaft auszeichnet, sind die Medien ganz gehörig beteiligt und es wird Sie nicht im Geringsten überraschen, dass Sie noch eine gehörige Portion Medienschelte erwartet, obwohl, ganz ehrlich, die Medien nicht eigentlich schuld sind. Es ist unsere Gesellschaft, die es haben möchte und jeder einzelne, der sich in dieser Gesellschaft bewegt, also Du und ich ("besorg's dir doch einfach"). Nein, man kann den Medien keinen Vorwurf machen, da sie ja nur ein Angebot bereitstellen, das genutzt werden kann, aber nicht genutzt werden muss. Ja, in der Tat, Sie brauchen die Zeitschrift nicht zu kaufen, das Radio bleibt kalt, der Fernseher fliegt durch's Fenster und Sie setzen sich Scheuklappen auf wie ein Kohleklepper, Sie wissen, diese dürren Pferde, die in den Nachkriegsjahren die Karren ziehen mussten (in der Tat, die mussten wirklich, die hatten keine andere Wahl) und nicht nach rechts und links sehen sollten. Aber Hand auf's Herz, wollen Sie so leben? Abgeschottet, unter Deprivationserscheinungen leidend, sich mit niemandem über Michael Ballack, Günter Jauch, Margarete Schreinemakers, die Begum, Boris Becker, Michael Schumacher – oder dieser Tage ganz aktuell – Ulrich Zabel unterhaltend?

Zoobesuch
Wann waren Sie das letzte Mal im Zoo?
Sollten Sie wirklich mal wieder hingehen. Das ist immer wieder ein Erlebnis. Wie der Ober-Pavian sein fleischig-rotes Hinterteil bewusst seiner Herde zustreckt. Wie er auf den obersten Zinnen des Affenfelsens thront, mit wildem Gebrüll mal kurz nach unten saust und einem kleinen, völlig unbedeutenden, schmächtigen Affenmännchen zeigt, dass man sich nicht beliebig mit seinem Geschlechtsteil irgendeiner Äffin nähern kann. Wie er sofort wieder seine Top-Position einnimmt, die zwischenzeitlich von irgendeinem anderen dreisten Kerl eingenommen wurde und der mit heftigem Gezeter und Zähnegefletsche vertrieben wird. Das sieht wirklich bedrohlich aus. Unten, am Rand des Felsens, wo die schmutzige Brühe des Wassergrabens mit Abfall, Nussschalen, Exkrementen und Papiertaschentüchern von Besuchern durchsetzt ist, fischt sich ein junger Affe eine Bananenschale aus dem Wasser und sucht nach einem verwertbaren Rest. Es gibt auch noch ganze Bananen, aber da darf keiner ran. Sie liegen auf halber Höhe. Wildes Geschreie, Aufruhr. Ein mittelgroßer Typ aus dem oberen Drittel schwingt sich gewichtig nach unten, bleckt einmal bedrohlich nach rechts und links und beginnt ausgiebig eine Äffin aus dem unteren Drittel zu begatten. Darf er. Der
Oberpavian hat nichts dagegen und reinigt mit den Zähnen seine Fingernägel.

Rasterfahndung
Auf den großen Portal-Seiten begrüßt Sie ein reichhaltiges Angebot von Texten, Bildern, Inhalten der unterschiedlichsten Form, alles blinkt und bewegt sich, Effekte verschiedenster Art versuchen Ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und Ihnen werden Informations- oder Angebotshappen vorgeworfen, auf die sie anbeißen sollen. Ja, durchaus wie beim Angeln, wo man durch geeignete Köder und durch ein gezieltes Anlocken versucht, den Fisch auf den Haken zu bekommen. Und dann kommt es bekanntlich darauf an, durch den richtigen Drill den Fisch auch sicher anzulanden. Ist man zu ungeduldig, ist der Fisch weg. Im Fachbegriff heißt das dann: Das cgi- Programm reißt ab.
Im Klartext: Der Anbieter hat den Kontakt zu Ihnen über Ihren Rechner verloren und kann die Verbindung von sich aus nicht mehr so ohne weiteres herstellen. Er muss Sie dann schon anmailen, anrufen oder Ihnen einen Brief schreiben. Gibt er allerdings gezielt nach, bietet noch einige Happen, versorgt Sie zum Beispiel mit einer ausführlicheren Beschreibung, Referenzen von treuen Kunden, aussagekräftigen Bildern, dann kann er Sie schon für sich gewinnen und Sie entscheiden sich für das Angebot.


Galapagos
Diese endemischen Prozesse gibt es natürlich auch noch an anderen Plätzen auf dieser Erde, aber nirgendwo so gehäuft wie auf Galapagos. Die speziellen topographischen und klimatischen Bedingungen haben dazu geführt, dass sich Lebewesen entwickelt haben, die optimal den Lebensbedingungen angepasst sind. Je abgelegener und je unwirtlicher die Lebensumstände, desto gnadenloser vollzieht sich dieser Prozess. Was hat das mit unserer Gesellschaft zu tun? Sie können diesen Mechanismus der Anpassung locker auf Ihre Umgebung übertragen, insbesondere wenn Sie für eine Partei oder in einem großen Unternehmen oder der Behörde arbeiten. Jedes soziale Umfeld, insbesondere jedoch geschlossene Organisationen, die hierarchisch geführt werden und/oder erklärte, satzungsgemäße Ziele verfolgen, die konkreten Arbeitsbedingungen, prägen einen bestimmten Typus, der bereit und in der Lage ist, unter diesen Umständen sein Engagement und seine Arbeitskraft einzubringen. Oder auch nicht, das soll vorkommen. Je mehr er zu der Struktur des Unternehmens, zu der jeweiligen Einzigartigkeit der Unternehmung passt, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass er Karriere machen wird.


Mussturbieren ist tödlich
Warum? Weil Sie Ihre Selbstbestimmung gegenüber der Fremdbestimmung aufgegeben haben. Und das ist in der Natur nicht vorgesehen und sie verabschiedet sich von Ihnen, so wie sich gleichgeschlechtliche Partner von dieser Welt freiwillig verabschiedet haben. Für immer und ewig. Eine Sackgasse. Da braucht die Natur überhaupt nicht nachzuhelfen. Auch manchen Politiker kann man so loswerden, nur: es dauert leider zu lange. Nein, im Ernst, Mussturbieren führt über kurz oder lang zu einem Überlastungssyndrom, das sich in Beschwerdekomplexen der verschiedensten Art, im Burnout-Syndrom und im Herzinfarkt manifestiert. Mindestens. Und das Mussturbieren ist, ich habe das kurz angedeutet, aber nicht weiter ausgeführt, die Wurzel allen Übels. Es ist der totale Frust, wenn Sie etwas tun müssen, was Sie eigentlich nicht wollen. Sie tun das nicht nur ungern, sondern auch schlecht. Und Sie werden aggressiv. Und je mehr und je häufiger Sie mussturbieren, desto schlechter geht es Ihnen und desto aggressiver werden Sie. Ich habe das neulich in einem Vortrag von Reinhard K. Sprenger gehört und ihm verdanke ich diese Erkenntnis: Wir sagen ja und meinen nein. Das macht uns kaputt.


Ist Geiz geil?
Sie wollen (und müssen) sparen. Das Geld geht aus. Entweder Sie haben keinen Job mehr oder werden ihn bald verlieren, Ihr Arbeitsplatz ist bedroht, Sie haben keine Aufträge, der Firma droht die Pleite, Sie werden frühpensioniert oder eine Gehaltskürzung steht ins Haus oder Sie haben gemerkt, dass der Euro wirklich ein Teuro ist und 1 : 1 umgesetzt wird und Sie merken, dass die Inflationsrate höher ist als die Zinsen auf Ihrem Sparbuch.
Trotz Warenkorb, der offensichtlich ein politischer Spielball ist und Ihnen immer noch eine moderate Teuerungsrate vorgaukelt. Das Geld ist weniger wert. Das macht aber eigentlich keinen Spaß. Soll aber Spaß machen und trendy sein. Sie sollen sich mit Ihrer Armut in guter Gesellschaft befinden und ein gutes Gefühl dabei haben und – obwohl Sie eigentlich kein Geld haben und sparen wollen – Geld ausgeben. Jugendliche geben gerne Geld für unnötigen Kram aus, weil sie in eine Spaßgesellschaft hineingewachsen sind und Spaß haben wollen. Spaß ist mit Sex verbunden. Wer Spaß hat, hat auch Sex.


Langleinenfischer
Und ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass man als interner Auftraggeber ganz schön den Verlockungen der Langleinenfischer ausgesetzt ist. Denn da gibt es nicht nur so schlappe Köder wie eine Armbanduhr zum Abo, sondern richtig schöne Reisen, mit Frau und Kind und Kegel. Es gibt Einladungen zu Autorennen und man kann, falls man zufällig seine Frau vergessen hat, auch eine Ersatzfrau bekommen. Die werden von Langleinenfischern überhaupt gerne eingesetzt. Bei potenten Pensionären sollen sich Finanzberaterinnen bewährt haben. Und selbst Autohäuser – eine Domäne eigentlich der Männlichkeit – setzt gelegentlich diese Geheimwaffe ein. Nehmen wir aber doch lieber – um auf dem Boden zu bleiben und der Anschaulichkeit halber – den kleineren Beschaffungsvorgang, sagen wir ab 100 Euro. Darunter wird es für die Langleinenfischer uninteressant, es sei denn, Sie sind Arzt und verschreiben mindestens 1 Präparat für 100 Euro täglich. Macht 20.000 Euro Umsatz bei 200 Arbeitstagen.
Wenn Sie das Präparat fünfmal täglich verschreiben, das müsste ja nun wirklich ohne Probleme möglich sein, sind Sie nach Adam Riese bereits bei schlappen 100.000 Euro. Klingt das nicht wie Musik? Wie Bayreuth?


Bill
Der reichste Mann der Welt hat der Menschheit vor Jahren ein neues Betriebssystem geschenkt und ist dadurch zum reichsten Mann der Welt geworden. Man war vorübergehend der Meinung, dass er eine marktbeherrschende Stellung habe und es hat einige Prozesse gegeben und auch Zahlungen und Zugeständnisse. Er ist übrigens Amerikaner und heißt Bill. Ein sehr generöser Mensch, der viel für die Armen und Kranken tut. Vielleicht hat er dieses Betriebssystem ja auch nur entwickelt, um uns allen zu helfen. Wir alle, es sei denn wir ziehen mit Yak-Herden durch die Hochtäler des Himalaja, mit Lamas durch die Hoch-Anden oder sitzen mit Lendenschurz im brasilianischen Busch, nehmen dankbar die Hilfestellungen in Anspruch. Wir brauchen ja nur dieses kleine Fensterchen, das sich da kurz öffnet, das mit den Lizenzvereinbarungen, anzuklicken und weiter geht's. Und wenn es ganz schlimm kommt, müssen wir irgendwo unsere Amex-Nummer eintragen oder das neueste Update käuflich erwerben. Dann noch mal Lizenzvereinbarungen anklicken und los geht's.


Back to the roots
Weil hier gerade Schwärme von Wildgänsen über unserem Hof kreisen, übrigens ein wunderschöner, alter Hof direkt am Ostufer des Chiemsees, muss (?) ich Ihnen unbedingt etwas über Schwärme erzählen. Ich könnte auch genauso gut Fischschwärme, Schwärme von Heuschrecken oder Tierherden nehmen. Ist ja klar, wir haben es in aller Regel nicht nur mit einem einsamen alten Klepper oder einer vereinsamten Wildgans oder einem einzelnen homo sapiens 1783, sondern mit einer Vielzahl Wildgänse, Klepper, homi sapienses 1783 (jetzt verlässt mich mein Latein) zu tun, die jeweils miteinander in Beziehung stehen und sich austauschen, wie die Wildgänse, die sich ganz offensichtlich miteinander unterhalten, indem sie die unterschiedlichsten Laute ausstoßen. Sie lassen sich auf einem abgeernteten Feld nieder oder landen auf der Oberfläche des Sees. Sie warten, so scheint es, auf Verstärkung für Ihren Weiterflug in den Süden und ich habe auch den Eindruck, dass immer wieder neue Formationen von Wildgänsen dazu stossen. Der Flug in den Süden, ein nicht ganz leichtes Unterfangen.

Der Wille des Wählers .
Wissen Sie, was man machen würde, wenn es ihn tatsächlich geben würde? Man würde ernsthaft versuchen, in Erfahrung zu bringen, was der Bürger wirklich will. Und wenn das offen und ehrlich, kompetent und ohne die unsägliche Einflussnahme der Parteienlandschaft geschehen würde, dann würden wir unser blaues Wunder erleben. Und es würde etwas passieren, wie bei der Befragung zur europäischen Verfassung, bei der sich einige Völker eine eigene Meinung bilden durften. Wir waren nicht dabei.
Überhaupt, mich jedenfalls hat niemals in meinem Leben irgendjemand zur Verfassung in Deutschland gefragt. Sie bestimmt auch nicht. Ich habe sie mit in die Wiege gelegt bekommen und bin ihr auch heute noch verpflichtet. Meine Meinung interessiert nicht. Ihre auch nicht, nicht dass wir uns da falsch verstehen. Unsere Väter haben das für uns ein für allemal festgelegt. Und unsere Regierung sah sich durch das Vier-Jahres-Mandat auch autorisiert, der europäischen Verfassung zuzustimmen, in aller Namen. Also ehrlich, ich frage Sie, wo leben wir denn eigentlich? Fehlt nur noch, dass wir die Zwangsehe wieder einführen.


Unabhängige Meinung
Medien versuchen Ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Das ist ja auch total wichtig. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie interessieren sich dafür, wie das bei den Autos der Fall ist. Oder Sie haben sich dafür zu interessieren, weil es den Schwarm betrifft, den Schwarm als Ganzes, die Richtung, den Zusammenhalt, die Gefahren, die den Verbandsmitgliedern drohen. Und da die Sprache des Schwarms die Medien sind, wie wir bereits festgestellt haben, kommt diesen eine ganz besondere Verantwortung zu. Sie sind das Gewissen, die Tugendwächter, sie sind die Mahner und Beschützer und sie setzen sich kritisch mit dem Zeitgeschehen auseinander. Sie recherchieren, analysieren, decken auf und zu. Ganz wichtig die regelmäßigen Nachrichten, die Sie über das Weltgeschehen auf dem Laufenden halten und Sie vor allem über Abweichungen von der Norm informieren. Sie sind die wachsamen Hüter der Grenzbereiche, wie bei jener Mutter, die neun ihrer Säuglinge getötet haben soll. Sie hat offensichtlich den Zeitpunkt einer zwar nicht legalen, aber vom Staat geduldeten Abtreibung über den Zeitpunkt der Geburt hinaus verschoben. Ab diesem Zeitpunkt ist es Mord oder Totschlag.


Frieden
Was wäre mit einem Friedensprogramm?
Hier liegt der Hund begraben. Keiner sieht sich das an. Schlechte Quoten. Der Tatort ist spannender. Und schon wieder stirbt ein Mensch! Wie schrecklich! Wie schön! Die Pupille weitet sich, das analoge Intranet speichert den unnatürlichen Tod als natürlichen Vorgang in unserer Gesellschaft. Wir schalten die Kiste aus und meinen, das war ja nur ein Film und das hat mit unserem friedlichen Leben nichts zu tun. Weit gefehlt, liebe Leute! So doof ist unser Intranet ja auch nicht. Die stete Wiederholung, jeden Abend mindestens ein Mord, lässt in Ihrem internen Netzwerk, das sich ja für das Leben fit halten muss, den Schluss zu, dass man sich auf Mord und Totschlag einstellen muss. Und schon lauern die ängstlichen Gesichter hinter den Gardinen Deutschlands und die Rollos werden heruntergelassen.


Und natürlich Sex
Sexualität ist die Triebfeder unserer Gesellschaft.
Im Zusammenhang mit den Korallenriffen habe ich das Gesetz der großen Zahl erwähnt, dem wir selbstverständlich auch unterliegen. In den Korallenriffen gibt es eine bestimmte Nacht im Jahr, in der ein gigantischer Befruchtungsvorgang stattfindet. Über den Riffen liegt dann ein dichter, mikroskopisch kleiner Schleier von Geschlechtsmaterial, das der Fortpflanzung dient. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob männlich oder weiblich oder irgendetwas dazwischen oder durcheinander. Ich würde mal vermuten durcheinander.
Machen wir uns nichts vor, wir sind auf dieser Erde, um uns fortzupflanzen. Und jeder, der dazu nicht beiträgt, hat erst mal nicht Recht.
Fortpflanzung lebt von der großen Zahl, und das können Sie überall in der Natur beobachten. An dem Kastanienbaum, der in Überfülle seine Kastanien auf das Betonpflaster klatschen lässt, ohne Sinn und Verstand, wo sie von der nächsten Kehrmaschine weggeräumt und in die Verbrennungsanlage geschafft werden, dem Löwenzahn, der seine Sprösslinge in großer Zahl einfach dem Wind überlässt, bis sie schließlich auf die Wasseroberfläche des nahe gelegenen Teichs wehen, auf der bekanntlich kein Löwenzahn gedeihen kann, bestenfalls Wasserrosen, dem Karpfen, der viele hunderttausend kleine, hoffnungsfrohe Sprösslinge in sich trägt, die kurz vor Weihnachten in einem schmutzigen Becken vor dem Supermarkt gewaltsam ihr Leben aushauchen, der Biene, die in einem komplizierten Ritual eine wundersame Vermehrung zelebriert, obwohl ihre Population keinerlei Chance zur weiteren Ausbreitung hat.


Die Geschichte mit den zwei Frauen
Jetzt muss (?) ich Ihnen noch von dem Mann mit den zwei Frauen erzählen. Es war einmal ein Mann mit zwei Frauen. Die eine war die angeheiratete Ehefrau. Die andere eine tüchtige Frau, die im Geschäft mitgeholfen hat. Im Geschäft ging es nicht so gut, und der Geschäftsinhaber suchte Trost bei der zweiten Frau, die viel vom Geschäft verstand. Und er wurde traurig, weil das mit dem Geschäft nach wie vor schlecht lief und weil er zwei Frauen hatte, die er liebte und im Geschäft brauchte, um überleben zu können. Es brach ihm das Herz. Er suchte einen Psychotherapeuten auf, weil er sich Hilfe versprach bei der Frage, welcher der beiden Frauen er den Vorzug geben sollte. Der Therapeut konnte ihm dabei auch nicht helfen, da der Geschäftsinhaber diese Entscheidung selbst zu treffen hatte. Die Jahre vergingen. Und als die Herzschmerzen immer größer wurden, ging der Geschäftsinhaber zu einem Kardiologen. Dieser stellte ausführliche Untersuchungen an dem befallenen Organ an, machte Labortests, Röntgenkontrastuntersuchungen, legte einen Katheder und der Geschäftsinhaber unterzog sich einer aufwändigen Bypass-Operation und einer langwierigen Reha-Maßnahme.


Der Ausweg?
Nutzen Sie Ihre Sinne! Lernen Sie von der Natur! Mischen Sie sich ein! Sagen Sie Ihre Meinung! Lassen Sie sich nicht alles gefallen! Folgen Sie Ihrer inneren Stimme. Es ist keine Katastrophe, wenn Sie auch einmal "Nein!" sagen. Denken Sie daran, die Ursache allen Übels ist, wenn Sie "Ja!" sagen, aber "Nein!" meinen. Nehmen Sie die scheinbaren Annehmlichkeiten, die Ihnen die Zivilisation bietet, mit gesunder Vorsicht entgegen. Seien Sie wachsam. Beobachten Sie Ihre Umgebung und erlauben Sie sich eine kritische Sicht der Dinge, auch wenn Sie anecken. Denken Sie daran, was scheinbar intelligent ist, kann unglaublich dumm sein. Was scheinbar einfach ist, ist oft hochintelligent. Wie beispielsweise der Schlaf oder das Vergessen. Ohne das intelligente Vergessen sind wir nicht lebensfähig. Kein Mediziner dieser Welt befasst sich mit dem Vergessen! Vergessen Sie's und hören Sie auf Ihre eigene Stimme. Sie ist der beste Ratgeber.
Gehen Sie in die Politik, wenn Sie das ertragen können. Die Gefahr, dass Sie ein Lafontaine, Gysi, ein Schröder, Westerwelle, eine Merkel, ein Stoiber werden, ist jedoch ziemlich groß.
       

  uP